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„Naja das find ich eh super, aber ich kann mich halt nicht motivieren“… Diese oder ähnliche Worte habe ich in letzter Zeit öfter gehört. Und vor nicht allzu langer Zeit hab ich genau das zu meinem Freund gesagt. Als er zu laufen begann und seine Trainingspläne durchzog bis zur Halbmarathondistanz. Ich sah wie er seine Ziele erreichte, freute mich mit ihm über seine Erfolge, aber zweifelte daran dass ich das auch jemals schaffen könnte.

Schon vor einigen Jahren hatte ich es mit dem Laufen versucht. Das machte jedoch nie so recht Freude und auch mit der Zeit stellte sich kaum Leichtigkeit ein. Bereits als Kind war ich keine „Sportskanone“ gewesen, was viel mit meinen ständigen Krankheiten und Asthma zu tun hatte. Jetzt aber war ich neugierig 🙂 Doch auch jetzt waren meine ersten Versuche seeeehr… ich sag mal „mäßig“… Ich war weit davon entfernt mir vorzustellen, überhaupt mal nur einen einzigen Kilometer durchzulaufen.

 

Der berühmte „Schweinehund“… Was macht der eigentlich mit der Motivation?

Im Grunde kann uns das vollkommen unberührt lassen, was er damit macht. Denn wenn wir auf unsere Motivation warten, werden wir vermutlich meist sehr lange warten. Und haben zudem ganz viel Zeit, um Ausreden zu finden. Das Wetter ist zu kalt, da verkühle ich mich doch. Das Wetter ist zu heiß, das kann für den Kreislauf nicht gesund sein. Es ist zu windig. Ich habe keine Zeit. Ich schaffe das ja sowieso nicht, da brauche ich gar nicht erst zu beginnen. Mir tut das Knie weh, ich kann nicht. Ich habe riesigen HUNGER (und wer mich kennt, der weiß was das heißt!! 😉 )

Glaub mir, im Ausreden finden bin ich wirklich gut 😉 Nicht nur wenn’s um das Laufen geht. Wenn man will, sind in jedem Lebensbereich ganz viele Gründe zu finden, warum etwas nicht möglich ist. Am Leichtesten ist die Suche im Außen, zum Beispiel kann man da super Erlebtes und in der Vergangenheit gemachte Erfahrungen als Ausrede nehmen und das ganz einfach auf die aktuelle Situation übertragen. Aber ich bin auch Profi darin, bei mir selbst genug Gründe zu finden 😉 Angefangen von „ich bin nicht gut genug“, „Andere können das ja viel besser“,…

 

So gut wie im Ausreden finden bin ich übrigens im Vergleichen…

Mein erstes Laufziel war es, 5 km unter 35 Minuten zu laufen. Zumindest stand das auf dem Trainingsplan. Den ich zwar zu 98% fleissig absolvierte, doch oft genug dachte ich mir: „Ach ich lass es doch lieber…“. Denn wenn mein Freund einen Halbmarathon ganz easy läuft und ein Freund einen Marathon in 3 Stunden schafft, ist doch mein Ziel nichts wert. Oder? 

Noch dazu begann mein Knie zu schmerzen. Ob es das Knie ist, das vor Jahren mal unter meinem Pferd oder unter dem Moped lag, war in dem Moment dann auch schon egal 😉 Die Frage war vielmehr: schmeiss ich das begonnene Lauftraining hin, und erzähle mir dass ich mein Knie damit nur noch mehr kaputt mache? 

Oder ist da vielleicht noch was Anderes möglich? Ich ging zur Akupunktur bei meiner TCM-Ärztin und versprach, ihren Rat zu beherzigen und lieber wandern zu gehen als zu laufen, wenn sich die Beschwerden weiterhin zeigen. Darauf wäre es auch fast hinausgelaufen. Bis mich meine begonnene Yoga-Ausbildung rettete. Ganz ohne komplizierte Asanas. Es war die Grundübung, die mir half: Tadasana, die sogenannte „Berghaltung“. Sie sieht ganz leicht aus. Doch sie wird auch Samastithi genannt, was soviel bedeutet wie „überallhin die Aufmerksamkeit gleichzeitig lenken“. Der Körper wird ganz bewusst von den Füßen beginnend, nach oben hin, in die optimale anatomische Aufrichtung gebracht.  Ich begann zu laufen, ganz langsam, und machte mir jeden Schritt ganz bewusst.  Meine Füße setzten gerader auf am Boden, die Belastung war anders. Und die Knieschmerzen blieben weg! Natürlich war hier auch gezieltes Dehnen und Kräftigen ein wichtiger Part.

 

Letztendlich geht es nur um die eine Frage: Mach ich’s oder nicht? Es ist eine Wahl!

Wenn ich wähle, jetzt aufzustehen und 20 Minuten zu laufen. Oder mit dem Rad zu fahren, spazieren zu gehen, oder was auch immer: Wie fühle ich mich danach? Und wenn ich das zwei- oder sogar dreimal in der Woche mache: Wie geht’s mir damit? Wie fühlt sich mein Körper mit der Bewegung an der frischen Luft?

Wenn ich wähle, jetzt vor dem Fernseher sitzen zu bleiben und die Tafel Schokolade und die Chips mit reichlich Limonade runter zu spülen: Wie fühle ich mich danach? Und wenn ich das täglich mache, wie geht’s mir damit? Wie geht es meinem Körper? 

Sich die Konsequenzen seiner Entscheidungen vor Augen zu halten, kann durchaus auch eine Art von Motivation sein. In jedem Fall aber ist es immer eine Wahl, die mir offen steht: Will ich lieber A oder will ich lieber B? Was macht A mit mir, und was B? Und wie sieht das Ganze dann in fünf oder zehn Jahren aus?

 

Die Zauberformel: eine Wahl treffen und sich Committen 🙂

Das Geheimnis ist also, eine Wahl zu treffen. Und sich nicht das Leben schwer zu machen mit dem ewigen Überlegen „soll ich oder soll ich nicht“. Und dann gibt’s da noch ein schönes Wörtchen, das ich bis vor einigen Monaten kaum in meinem Wortschatz präsent hatte: COMMITMENT! Wenn ich „A“ erreichen will, was muss ich dafür tun? Commitment heißt: ich tue es und ziehe es durch. Auch wenn es nicht immer einfach ist. 

Zum Beispiel, wenn ich nach einem 11 Stunden Bürotag noch die Laufschuhe anziehe, obwohl es draußen dunkel, eisig und windig ist. Und ich Hunger habe (eh klar 😉 ) Doch besser eine kleine langsame Laufrunde, als nichts zu tun. Und anstatt in einer Heißhungerattacke den Kühlschrank zu plündern, reicht mir danach eine Suppe. Doppelt gewonnen, denn so muss meine Verdauung über Nacht keine Schwerarbeit leisten und ich schlafe super-gut. VOR der Laufrunde macht das alles meine Entscheidung trotzdem nicht einfacher. Wie war das also mit der Motivation? Weit gefehlt! Wir sind wieder bei der Zauberformel: eine Wahl treffen und sich Committen 🙂

 

Ziel erreicht?

Als ich vor ein paar Tagen an den Start meines ganz persönlichen Ziellaufs ging, glaubte ich immer noch nicht, dass ich tatsächlich die 5 km unter 35 Minuten schaffen könnte. Ich rechnete mir aus, in welcher Zeit ich jeden Kilometer laufen müsste, um es zu schaffen und versuchte es einfach. Gut, da war wieder mal die Sache mit dem Kopfrechnen… Obwohl ich seit vielen Jahren in einem Zahlenjob bin, ist das nicht immer so mein Ding. 😉 Und so  lief ich die 5 km letztendlich sogar in unter 35 Minuten. (33:22 um genau zu sein).   

Glauben konnte ich es immer noch nicht 😉 Doch irgendwie beginnt es jetzt richtig Spaß zu machen. Ich starte einfach mal mit dem Trainingsplan „Durchkommen beim Halbmarathon“ . Eigentlich sieht der doch recht annehmbar aus… Ich glaube zwar nicht, dass ich es schaffe, aber wer weiß 😉 Eine Option wäre vielleicht, zu Manifestieren und mich selbst gleich mal in Halbmarathon-Gewinner-Laune zu feiern. Doch für mich ist es eindeutig der bessere Weg, meine WAHL zu treffen: die ersten Schritte tun und einfach weiter machen 🙂 Selbst wenn ich niemals einen Halbmarathon laufe, ist das Training gewinnbringend. Wie heißt es so schön: „Der Weg ist das Ziel“.

 

Gibt es in Deinem Leben etwas, wo Du Dir nicht vorstellen kannst, es jemals zu erreichen?
Wie gehst Du damit um?